Sun – (m)ein Tennessee Walking Horse

Sun ist mein Herzenspferd. Das habe ich glaube ich schon sehr oft auf diversen Wegen erwähnt. 🙂 Sie ist nicht nur bezaubernd schön, sondern hat auch einen bezaubernden Charakter. Sun ist wirklich eine Sonne. Du hast bestimmt auch schon irgendwo gehört oder gelesen, dass sie ein Tennessee Walking Horse ist.

Was ist ein Tennessee Walking Horse?

Zunächst ist das ihre Rassebezeichnung, aber diese besagt auch, dass Sun ein paar besondere Bewegungsabläufe in ihren Genen trägt. Diese nennen sich Flat Walk und Running Walk. Eigentlich sind diese beiden Gänge keine extra Gangarten, auch wenn sie fälschlicherweise oft so benannt werden. Sun kann, wie jedes Tennessee Walking Horse, einen sehr schnellen Schritt gehen und diesen in seiner Geschwindigkeit steigern. Eine Art „Mittelschritt“ nennt sich Flat Walk und die schnellste Variation nennt sich Running Walk. Diese sind von Pferd zu Pferd sehr unterschiedlich schnell, unterscheiden sich aber nicht in Takt und Ausführung. Sun kann dennoch einen gemütlichen langsamen Schritt gehen. Verglichen mit einem Dreigänger ist der Schritt eines Tennessee Walking Horse ein wenig akzentuierter.

Wie reitet man so ein Tennessee Walking Horse?

Wenn du in die typischen Rassebezeichnungen schaust, dann siehst du die meisten Pferde entweder in einem klassischen Englisch Outfit oder im Western Style. Auf den Turnieren geht es meist nicht um Dressur (egal ob Englisch oder Western), sondern um Gang. Dort wird besonders auf Takt und Tempo geachtet. Tennessee Walking Horses können noch einige andere Gänge mit in die Mischung werfen, weshalb das Training oft nicht ganz so einfach ist wie es zunächst klingen mag.

„Schritt reiten kann ja jeder“

DENKST DU! 🙂 Beim Flat Walk und Running Walk geht es nicht nur darum einfach Schritt zu reiten. Du musst Spannung und gleichzeitig ausreichend Entspannung ins Pferd bringen, darfst das Pferd dabei nicht stören oder blockieren, musst die Waage halten und gleichzeitig nicht zu schnell oder zu langsam in deiner Bewegung sein. Sun ist besonders talentiert was Gänge angeht. Das ist toll! Ehrlich! Gleichzeitig aber auch super schwer zu reiten und hat mich oft der Verzweiflung nahe gebracht. Wenn man mit so einem Gangpferd anfängt muss man ganz genau unterscheiden können: Schritt, Trab und Galopp kennt ja jeder. Schmeiss ein wenig Foxtrot, Tölt und Pass in die Mischung, schüttel etwas herum und (be)halte nicht die Form (und den Überblick 😀 ) und schon hast du: naaaa? GANGSALAT! 🙂 Zusätzlich zu den reinen Formen dieser Gänge können Tennessee Walking Horses nämlich auch oft Gangverschiebungen (von einem Gang in den anderen) gehen, wie zum Beispiel Stepping Pace. Diese sind ganz minimal, bleiben daher oft unentdeckt und werden unbeabsichtigt weiter trainiert um den erwünschten schnellen Schritt zu erzielen.

Warum erzähle ich dir das?

Sun ist nun sein 7 Jahren an meiner Seite und hat mich in dieser Zeit ganz schön viel gelehrt. Angefangen bei Dingen wie Reflexion, Mindfulness und Körpersprache bis hin zum geduldigen in uns Hineinhören während unserer Trainingsreprisen im Sattel. Ohne Sun wäre ich nur halb die Person, die ich heute bin. Auf meiner Suche nach dem richtigen Reiten für uns habe ich schon einige Trainer gehabt, doch irgendwie hatte keiner so wirklich unsere Essenz erkannt. Mir wurden die absurdesten Trainingsmethoden vorgeschlagen, die ich immer sofort abgelehnt habe. Zudem kennt man leider nur zu gut das Bild aus Amerika, von den gequälten Pferden. Das hat kein Pferd verdient! Ich möchte Sun gerecht werden, mental sowie auch körperlich.

Egal ob Gangpferd oder nicht: Leichtigkeit und Feinheit sollten stets Ziel eines jeden Reiters sein. Diese kann und will ich nicht mit komischen Reitweisen, unnützer Ausrüstung und seltsamen eingefahrenen Ansichten erreichen.

Biomechanik ist der Schlüssel

Jedes Pferd ist so individuell wie kein anderes. Sun ist also keine Ausnahme. Sie hat ganz besondere Fähigkeiten, aber auch besondere Bedürfnisse. Aufgrund ihrer (in meinen Augen 🙂 ) unzähligen Talente, braucht sie zum Beispiel ein wenig mehr Unterstützung im Unterscheiden ihrer Gänge. Das erfordert eine Menge Feingefühl von mir als Reiter. Wichtig ist es auch stets ihren körperlichen Ansprüchen gerecht zu werden, sie nicht zu überfordern und gleichzeitig angemessen zu fördern.

Da ich in allen Bereichen stets auf Basis der individuellen Biomechanik arbeite, hatte ich die Nase voll von unpassenden Sätteln und eingefahrenen Sichtweisen. Die „gewöhnliche“ Art des Trainings von Tennessee Walking Horses kann ich einfach nicht immer befürworten, die Machenschaften in den USA schon gleich gar nicht. Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich daher einen neuen Versuch mit Sun gewagt: Historische Reitkunst.

Das bisherige Ergebnis ist meiner Ansicht nach einfach unfassbar schön! Wir haben uns noch nie so gut aufgehoben gefühlt. Wir lernen gemeinsam dazu, haben eine positive Einstellung gegenüber unserer Arbeit, Sun baut Muskulatur an den richtigen Stellen auf, sie wird zum Mitdenken angeregt und es entwickeln sich langsam eine Leichtigkeit und Rittigkeit, von denen ich vorher nur zu träumen wagte. All das wird noch begünstigt durch unseren tollen Bückeburger Schulsattel (Danke hierfür an die Fürstliche Hofreitschule Bückeburg!), in dem ich alles fein erfühle sowie weitergebe und in dem ich wirklich selbst sitzen muss. Keine Kniepauschen, die mich festhalten und keine Fender, die mein Bein in einer Position bewahren. Ein wirklich krasses Reitgefühl, vor allem am Anfang!


Wie genau Sun, und Gangpferde generell, mit historischer Reitkunst einhergehen und was das eigentlich bedeutet erfährst du nächste Woche in einem ausführlichen Blog Feature mit meiner zauberhaften Trainerin Anja, die mit ihrem Knabstrupper Narius öfter zu Gast in der Fürstlichen Hofreitschule Bückeburg ist, um sich selbst stets weiterzubilden. Bleib also dran! 🙂

Hast du Erfahrungen mit Gangpferden? Und wie reitest du dein Gangpferd? Ich würde mich sehr über einen Austausch freuen 🙂

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