Steffi Schade – natürliche Partnerschaft mit Pferden

Auf der Equitana 2019 haben Steffi Schade und ich uns gemeinsam mit vielen tollen Pferdemenschen eine Standgemeinschaft geteilt: Standpunkt Pferd. Dort standen der faire Umgang mit den Tieren aber auch der Dialog auf Augenhöhe unter den Menschen im Vordergrund. Steffi hatte ihre zauberhafte Stute Zoe mit auf der Messe und hat gemeinsam mit ihrem Ehemann Christoph und dessen Wallach Boas ein paar wunderschöne Demos gezeigt.

Die Vorführung der beiden hat mich regelrecht verzaubert, weil einfach alles so leicht und so echt war. Ich sah Freiheitsdressur ohne Stress oder Zwang, trotz Messeszenario. Steffi und Christoph waren einfach erfrischend anders. Freude, Positivität, Leichtigkeit – es war einfach so schön anzugucken und inspirierend zugleich, dass ich Steffi nach ihrem Geheimnis fragen wollte.

Falls du Steffi noch nicht kanntest, kann sie dir am besten selbst kurz erzählen was sie so macht.

Steffi Schade: Ich bin mit Pferden aufgewachsen. Meine Eltern haben bereits vor langer Zeit ein Pferdezentrum gestartet, dort regelmäßig Kurse gegeben, hatten Feriengäste und vieles mehr.

Eigentlich war das für mich immer ein Hobby. Von 2002 – 2008 hatte ich eine “Pferdepause”,  damals lebten wir in Hamburg. 2008 sind wir nach Eschenburg, in Hessen, zurückgekommen und voll ins Trainerdasein auf dem elterlichen Hof „Meggi’s Farm“ mit eingestiegen. Dort gebe ich nun auch Unterricht, gebe Kurse deutschlandweit, arbeite individuell mit Kunden und deren Pferden. Über den Winter nehme ich auch Berittpferde.

Gelegentlich haben wir auch externe Trainer auf der Anlage, wir haben eine Halle und viel Ruhe. Unsere Pferde leben ganztags draußen und sind im Winter über im Offenstall. 

Meine Lieblingsthemen sind das „Reiten mit feinen Hilfen“, die Freiarbeit und natürlich Horsemanshiptraining.

Der Begriff “Horsemanship” kategorisiert so schnell – ich sehe einen ganzheitlichen Ansatz: Ich muss lernen, das Pferd in seiner Natur und in seinen Bedürfnissen zu verstehen, ich lerne stetig dazu mich dem Pferd gegenüber besser auszudrücken. Es geht darum, sich in der Pferd-Mensch-Beziehung zu schulen. Das ist die Basis von allem. Jeder der hier mit mir lernen will, wird dahingehend geschult.

„Dressur“ steht für mich für feines, das Pferd gesunderhaltendes, reitweisenübergreifendes Reiten. Ich liebe Dressur – geritten und vom Boden. Je mehr ich weglassen kann, desto feiner ist es. Ich glaube die Dressur ist notwendig. Häufig geht in der reinen Freiheitsdressur/Horsemanship die physische Situation des Pferdes verloren.

Bodenarbeit und freies Reiten sind toll, aber man sollte, zumindest wenn man reiten möchte, sein Pferd gezielt dementsprechend körperlich arbeiten durch Kraftaufbau, Verbesserung des Gleichgewichts und Geraderichtung. Zu je mehr die Pferde körperlich im Stande sind, desto mehr gewinnen sie dadurch auch an Selbstbewusstsein.

Meine Stute Zoe ist eigentlich ein Freiberger-Lippizaner, auch wenn sie oft als Spanier bezeichnet wird – von der Mischung her ist sie sehr energiesparend und vorhandlastig. Ich hatte immer Hemmungen sie zu fordern, aber ich bin drangeblieben und darf jetzt erleben, dass sie immer schöner wird. Das macht mir unglaublich viel Freude. Daher denke ich es ist sehr wichtig ein Pferd körperlich auch zu formen, zu fordern und fördern.

Freiarbeit ist von der Idee her perfektioniertes Horsemanship in der Anwendung, aber Perfektion wollen wir eigentlich gar nicht, denn Perfektion erstickt die Anmut.

Ich versuche alles, was ich mit den Pferden mache mit immer weniger Hilfsmitteln zu machen, immer klarere innere Bilder zu haben und versuche so zu arbeiten, dass alles immer weniger wird, mit immer weniger materieller Anbindung.

Dein Vater, Peter Pfister, war in Deutschland einer der ersten, der mit der Freiarbeit mit Pferden einen Namen erhalten hat. Wie ist das für dich?

Steffi Schade: Mein Papa ist ein toller Trainer, der es versteht eine gute Struktur ins Training zu bringen und es versteht die Struktur so leicht verständlich zu halten, dass man sie einfach total leicht nachmachen kann. Seine Arbeit war für mich lange Zeit die Basis für meine Bodenarbeit mit den Pferden. Er hat mich geprägt. Unsere Basis ist ähnlich, aber wir haben trotzdem beide unterschiedliche Schwerpunkte. Ich wurde zusätzlich sehr stark vom Centered Riding geprägt – ich mag gerne reinfühlen – hineinhorchen – reflektieren.

Gemeine Frage, aber was macht dich besonders?

Steffi Schade: In meinem Ansatz geht es immer um die Beziehung und darum, das Gegenüber wahrzunehmen. Es geht nicht um die Technik. Vielmehr geht es um den Dialog und die Persönlichkeit von Mensch und Pferd. Die Leute wollen meistens Techniken lernen und ich schaffe es sie mitzunehmen und in sich selbst, sowie in ihr Pferd hineinzuschauen. Dadurch schaffe ich es sie dazu zu bringen hinzuhören: was braucht mein Pferd, was braucht der Mensch? Meine Aufgabe ist es dann hineinzufühlen, wie ich die beiden ergänzen kann. Dafür gibt es keine Technik und kein Schema X.

Ich versuche mich immer zu erden, bevor ich eine Aufgabe angehe, die schwierig ist. Ich frage mich stets, was möglich ist. Um mir selbst treu zu bleiben und nicht über meine Kräfte zu gehen, finde ich es unglaublich wichtig, mich emotional und mental zu erden!

Mein Job ist es, meine Pferde weiter auszubilden um besser zu werden, genau wie ich selbst auch besser werden will. Manchmal bedeutet das vielleicht eine kürzere Einheit, oder etwas Schönes zum Schluss.

Ein kleiner Trick von Steffi: Eine Massage hilft mir oft um anzukommen beim Pferd. Dadurch kann ich das Pferd erfühlen, nicht mit einer Bürste, sondern mit den Händen! Gleichzeitig ist es körperliche Wellness für das Pferd und ich fühle mich mental geerdet.

Was ist dein “Schlüssel” – warum sieht die Freiheitsdressur so anders aus bei dir? Was ist dein Geheimnis zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit deinem Pferd?

Steffi Schade: Ich sehe das selbst gar nicht so, als wäre es etwas besonderes. Ich lebe ja nur meine eigene Wahrheit. Aber vielleicht kann ich das anders beantworten ..

.. in der Theorie zu unserem Basiskurs gibt es einen Titel der lautet: Das Geheimnis erfolgreicher Pferdeausbildung. In der Einleitung heisst es dann, dass es gar kein Geheimnis ist. Jeder kann es lernen, weil es um simple Naturgesetze geht, die ich einfach anwenden muss im Umgang mit dem Pferd.

Wir nennen es die 4 Säulen zur erfolgreichen Pferdeausbildung:

  1. Autorität – du solltest für dein Pferd eine Autorität sein. Nicht etwa Dominanz, sondern eine Persönlichkeit mit hohem Ansehen, jemand dem ich gerne folge, mich ihm anschließe, weil ich auf seine Kompetenz vertraue.
  2. Vertrauen – das über die Autorität hinausgeht. Es reicht nicht, dass mein Pferd mir glaubt, dass ich ihm nichts tue. Ich hätte gerne jemanden an der Seite, der kompetent ist und der mir nichts tut. Vertrauen, dass auf gegenseitigem Respekt aufbaut.
  3. System – ich weiss wie mein Pferd lernt und tickt.
  4. Konsequenz – im Einhalten meiner Leitungsverantwortung und im Einfordern der einzelnen Lektionen. Ich muss glaubwürdig für das Pferd sein.

Das ist die Grundidee – ansonsten glaube ich, dass es viele gute Pferdemenschen gibt. Jeder hat seine Stärken und Schwächen und ich glaube wir können von allen etwas lernen und uns alles ansehen und natürlich feststellen, dass uns manche näher liegen und manche ferner sind.

Zum Beispiel muss ich mir Klarheit und Struktur immer erarbeiten und brauche länger um mich dazu zu besinnen.

Intuition und Kreativität sind mehr mein Ding. Wenn ich mich fortbilde (eines meiner Hobbys), liebe ich es zu gucken, wo ich meine Schwachpunkte ergänzen lassen kann.

– was für ein schöner, ehrlicher und offener Ansatz! –

Offenheit ist gut, um alles durch einen guten Filter schicken zu können. Dieser Filter wird besser mit den gesammelten Erfahrungen. Ich glaube aber auch, dass der Raum, in den du das zu filternde reinlässt, immer größer wird. 

Dass du, zumindest immer wenn du in die Reflexion gehst, merkst, dass dein Blick immer weiter wird. Früher dachte ich immer: richtig/falsch, gut/nicht so gut .. und merke jetzt immer mehr, dass es viele Grauschattierungen gibt. Das ist auch in der Pferdeszene so.

Ich finde es immer erstaunlich, dass Leute sagen “Das ist der Weg. – du musst x x x x x gemacht haben und X Schritte gegangen sein, dann bist du erfolgreich mit deinem Pferd.“

Leute die am Anfang stehen brauchen klare Linien und weniger Optionen. Wenn die Leute weiter fortgeschritten sind, zeige ich ihnen viele Wege und sie dürfen und sollen für sich entscheiden, was ihnen und ihrem Pferd liegt. Demnach müssen sie dann klar darin sein, ihren Möglichkeiten entsprechend.

Wir Trainer sollten auch mit unseren Grenzen transparenter umgehen – nicht in diese Schiene reinkommen “wir haben für alles eine Lösung/einen Plan”. Wir lernen auch als Trainer immer weiter und haben nicht alles begriffen. Genau das finde ich auch attraktiv an den Trainern, die ich mir auf die Anlage hole: sie bilden sich immer weiter.

Hast du einen Tipp für unsere Leser, den sie direkt umsetzen können? Vielleicht etwas zum Ausprobieren, oder etwas, dass uns helfen könnte in uns hineinzuhören?

Steffi Schade: Ich mache ganz gerne zwischenmenschliche Experimente, die darauf hinauslaufen, dass ich sie letztenendes mit meinem Pferd machen möchte. Als Zwischenstufe lässt sich wunderbar der Mensch nutzen, da er mir ein Feedback geben kann.

Eine kleine Übung zum Thema Nähe und Distanz:

Was ist mein Individualbereich? Dieser ist sehr unterschiedlich, je nach meiner Persönlichkeit und der Persönlichkeit meines Gegenübers. Er ist aber auch unterschiedlich je nachdem auf welcher Stufe der Beziehung wir stehen. Ich finde es ganz interessant zu erfragen, wie ich räume einnehmen und Räume geben kann – ohne Berührungen. Das lässt sich wunderbar mit Menschen üben, indem man sich gegenüberstellt.

Kann ich die linke Schulter des Gegenübers von mir wegschieben und auf mich zubewegen, den rechten Fuß von mir wegschieben und auf mich zubewegen? Kann ich den rechten Fuß in der Bewegung stoppen, ihn zurückholen, ohne etwas zu sagen? Die Pferde reagieren meistens sehr toll darauf. Wenn man das mit einem menschlichen Partner übt, bekommt man eine schöne Rückmeldung dazu.

Menschen nehmen das oft nicht so bewusst war, wenn man sie nicht darauf aufmerksam macht. Auch Pferde die zu nah am Menschen aufgewachsen sind, haben oft das Gefühl für Nähe und Distanz verloren. Respekt ist dann etwas, um dass man sich ständig bemühen muss.

Steffi spricht mir aus der Seele. Eigentlich hätte dieses Interview noch ewig weitergehen können..

Das schöne Foto von Steffi  mit Zoe stammt von Corinna Weisser.

Ich hoffe dieses Interview war für dich genau so schön zu lesen, wie es für mich zu hören war. Hoffentlich können wir dir bald auch hier in der Mühle einen Workshop mit Steffi Schade anbieten, aber in der Zwischenzeit findest du sie auf ihrem Instagram Profil und auf ihrer Webseite.

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