Gedanken zu einer positiven Pferd Mensch Beziehung

Hand aufs Herz – wir alle wünschen uns doch Harmonie. Egal ob im Alltag, auf der Arbeit, in einer Beziehung oder mit unserem Partner Pferd! Bevor ich dir meine kostenlose Guideline mit 5 einfachen Schritten für eine positive Pferd-Mensch-Beziehung an die Hand gebe, möchte ich jedoch ein paar Gedanken mit dir teilen. 

Alpha-Tier und Dominanz

In der Pferdewelt wird häufig gelehrt, dass man dem Pferd gegenüber Dominanz zeigen und die Rolle des Alpha-Tieres einnehmen sollte, um stets ein gelehriges und gehorsames Pferd bei sich zu haben.

Dominanz versteht sich als Überlegenheit von einem Individuum gegenüber einem anderen Individuum der selben Spezies. Ein dominantes Pferd hat also in der Herde zuerst Zugriff auf Wasser, Futter, Ruheplätze, Partnerwahl, usw.

Die Situation, sowie die Beziehung untereinander, bestimmen dabei das jeweilige Verhalten und die Motivation der Herdenmitglieder. So wird zum Beispiel ein ranghöheres Pferd die anderen von der Futterquelle vertreiben, wenn diese knapp ist und das Pferd hungrig ist.

Natural Horsemanship

Natural Horsemanship wird in verschiedensten Formen gelehrt. Hier möchte ich lediglich einen Denkanstoß geben und keinesfalls jede Form verteufeln.

Die Grundregeln, welche im Natural Horsemanship gelehrt werden, versprechen bei konsequenter Anwendung ein aufmerksames und gehorsames Pferd. Manchmal sehe ich darin jedoch keinen Unterschied zu einem blind gefügigen Pferd.

Der Mensch nimmt in solchen Trainingssituationen die Rolle des Alpha-Tieres ein und „dominiert“ sein Pferd, oft auch mittels Gewalt und Zwang. Der Raum des Pferdes wird hierbei eingenommen und es wird als selbstverständlich angesehen, dass das Pferd sich jederzeit in jede vorgegebene Richtung schicken lässt.

Wenn wir Pferde in ihrer natürlichen Herde beobachten, dann erkennen wir, dass Artgenossen untereinander (trotz dominantem Verhalten) stets eine Möglichkeit der Wahl, ausreichend Fluchtmöglichkeiten und „Vorwarnung“ mittels Körpersprache haben.

Dieses Herdenverhalten lässt sich gar nicht 1:1 auf den Umgang mit dem Menschen übertragen, schon gar nicht, wenn das Pferd beispielsweise permanent im Round Pen weggeschickt wird, ohne die Möglichkeit auf Mitspracherecht.

Ein weiterer Trainingsansatz im Natural Horsemanship sieht es vor, dass sich das Pferd zu jeder Zeit an jeder Körperstelle anfassen und abstreifen lassen muss – teils von gruseligen knisternden Gegenständen. Dies wird so lange betrieben, bis das Pferd ruhig stehen bleibt. 

Meines Erachtens nach hat eine solche negative Konditionierung nichts mit Gehorsam oder respektvollem Umgang zu tun. Das Stehenbleiben könnte in diesem Fall tatsächlich auch als Erlernte Hilflosigkeit angesehen werden.

Rangordnung - Herdenverhalten

Der Status der Rangordnung in der Pferdeherde ist nicht fixiert und nicht linear. 

Das bedeutet, dass ein Pferd A einem anderen Pferd B gegenüber dominant sein kann, während dieses Pferd B wiederum einem anderen Pferd C gegenüber dominant ist. Pferd C muss nicht zwingend das letzte Glied einer Kette sein, sondern kann Pferd A gegenüber dominant sein. Die Rangordnung ist also flexibel und kann sich zudem ändern.

Wenn ich meine Herde beobachte, dann fällt mir immer wieder besonders auf, wie friedlich alles von statten geht. Wenn jemand folgt, dann liegt das daran, dass der Gefolgte mit gutem Beispiel vorangeht. Wenn eine Futterquelle eingenommen wird, dann wird mit einem sanften Ohrenspiel geregelt, wer mitfressen darf und wer nicht.

Denk einmal kurz darüber nach, wie sich das in unserer Arbeit mit den Pferden spiegelt. Tut es das überhaupt? Kann ein gesundes Herdenverhalten überhaupt in der Pferd-Mensch-Beziehung erlebt werden, wenn wir stets darauf beharren „Alpha-Tier“ zu sein?

Wenn wir auch nur einen Hauch von Zweifel, Unsicherheit oder Ärger in eine Session mitbringen, dann spüren unsere Pferde das sofort. Falls wir anschließend dennoch versuchen „Dominanz“ auszuüben, dann verlieren wir höchstens das Vertrauen unserer Pferde, da wir uns nicht als authentisch erweisen.

Passive Leadership

Ich habe es eben bereits angedeutet. Der Schlüssel zum Erfolg ist nicht der Zustand eines Alpha-Tieres, sondern passive Leadership. Begriffe wie Reflexion, Authentizität, Kommunikation, Kooperation, Intuition, Verständnis, Geduld, Respekt und „mit gutem Beispiel voran“ sollten im Vordergrund stehen.

Horche einmal tief in dich hinein. Erinnerst du dich daran, wie das in der Schule war? Es gab immer die Kinder, die von den „coolen“ Kids umringt waren und andere gehänselt haben. Und es gab Kinder, die vielleicht weniger Freunde hatten und gehänselt wurden, dafür aber echte Freunde hatten.

Ich persönlich gehörte immer zu den Kindern, die entweder gehänselt wurden oder nicht wirklich „hineingepasst“ haben. Ich habe aber trotzdem nie meine Integrität verloren und mich den damals gemeinen Kids angeschlossen. Mir war es stets wichtiger meine wenigen Freundschaften aufrecht zu erhalten und dafür zu arbeiten. Auf meine Freunde war stets Verlass. Gemeinsam haben wir uns sogar gegen die Bullies stark gefühlt. Sie waren uns egal.

Nun denk noch einmal an die Pferd-Mensch-Beziehung. Würdest du lieber mit den Bullies oder mit den bodenständigen Kandidaten abhängen? Wen würdest du eher als deinen Anführer akzeptieren? Demjenigen, der dich souverän begleitet, oder demjenigen, der dich bei jeder Gelegenheit klein macht?

Wie sollst du das jetzt in deine Pferd-Mensch-Beziehung übertragen und tatsächlich leben?

Positive Pferd-Mensch-Beziehung im Alltag

Es gibt tausende von Arten Pferde auszubilden. Ich möchte dich hiermit dazu anregen, das dahinterliegende Ziel zu hinterfragen. Ich möchte für meine Pferde ein guter und verlässlicher Freund und Partner im Leben sein. Das werde ich nicht durch Schema F, Dominanz und auch nicht durch reine Dressur, sondern durch Authentizität.

In meine Arbeit lasse ich daher verschiedene Aspekte einfließen um Abwechslung für meine Pferde zu gestalten und nicht immer Leistung in den Vordergrund zu rücken. Bodenarbeit, Massagen, Reitkunst – alles findet seine Zeit und seinen Raum. 

Ich bin nicht perfekt. Auch ich mache oft Fehler und soll ich dir was verraten? Ich freue mich immer darüber! Aus Fehlern lerne ich und ich mache sie (meistens!) kein zweites Mal. An Fehlern lerne ich zu wachsen, mich zu verbessern und meine Grenzen neu abzustecken. Es muss nicht immer ein Ziel geben. Manche Tage sind schön, um einfach zu sein und ohne Zwang oder Druck bei den Pferden Zeit zu verbringen. Wonach ist dir heute? Was für einen Eindruck macht dein Pferd? Wann hast du das letzte Mal auf dein Bauchgefühl gehört?

Dieses Thema begegnet mir so häufig während meiner Coachings, dass ich dir fünf einfache Schritte zusammengefasst habe, die ich in meine tägliche Arbeit mit Pferden und Menschen implementiere. 

Ich bin für mehr Authentizität und Nachhaltigkeit in der Pferd-Mensch-Beziehung. Wofür bist du?

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Hast du Fragen oder Gedanken zu diesem Thema? Ich würde mich über einen Austausch freuen!

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